Sven Regener – Wiener Straße

Buchcover: Sven Regener – Wiener StraßeTitel: Wiener Straße

Autor: Sven Regener

Verlag: Galiani-Berliner

Genre: Roman (349 Seiten)


Sven Regener, auch bekannt als Sänger und Texter der Band Element of Crime, veröffentlichte 2001 mit „Herr Lehmann“ seinen ersten Roman, der schon 2003 als Verfilmung von Leander Haußmann ins Kino kam. Es folgten mit „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“ zwei weitere Bände, wovon ersterer als Fernsehfilm und ohne Beteiligung Regeners ebenfalls verfilmt wurde. Im Jahr 2013 erschien der Roman „Magical Mystery“, der von der Nebenfigur Karl handelt. Nun gibt es endlich wieder einen Roman über Frank Lehmann, der durch das Berlin der 80er Jahre wandert, gemeinsam mit vielen alten Bekannten aus der „Lehmann-Trilogie“.


Kurzinhalt von „Wiener Straße

Es passiert nichts wirklich Weltbewegendes in diesem Roman und doch ist man gerne dabei und begleitet Frank, Erwin und Karl bei ihrem Leben in Kreuzberg, das sich zu großen Teilen in Erwins Kneipe „Einfall“ abspielt. Nebenbei spielen eine Kunstausstellung und ein Filmdreh eine Rolle sowie die Frage, ob im „Einfall“ morgens Kaffee und Kuchen angeboten werden sollten. Getragen wird das Ganze von den Dialogen, die das Geheimnis hinter dem Lesevergnügen sind.

Volker Kutscher – Der nasse Fisch

Buchcover: Volker Kutscher – Der nasse FischIn „der nasse Fisch“ nimmt Volker Kutscher den Leser mit in das abenteuerliche Leben des Kriminalkommissars Gereon Rath, der im Berlin der niedergehenden Weimarer Republik einem brutalen Mörder auf der Spur ist.


Titel: Der nasse Fisch

Autor: Volker Kutscher

Verlag:  Kiepenheuer & Witsch

Genre: Kriminalroman


Kurzinhalt von Der nasse Fisch“

Gereon Rath, der in seiner Eigenschaft als Kriminalist in Köln einen Menschen getötet hat, verschlägt es in den späten 1920er Jahren nicht ganz freiwillig nach Berlin, wo er – zugleich erstaunt über eine entfesselte Lebenslust und abgestoßen von Unfreundlichkeit und Kälte – nach einem Platz für sich in dieser einzigen deutschen Weltstadt sucht. Er stürzt sich in seine Arbeit als Kriminalkommissar mit Dienstsitz in der „Burg“ am Alex und wittert seine Chance, als er die Gelegenheit sieht, auf eigene Faust einen brutalen Mord aufzuklären. Dabei entfernt er sich weit von seinen ohnehin misstrauischen Kollegen, von Recht und Gesetz, nähert sich aber der hübschen Stenotypistin Charlotte Richter, genannt Charly, an. Vor der Kulisse der niedergehenden Weimarer Republik, die in Berlin geprägt ist von Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und frühen Nationalsozialisten, von Bandenkriegen und Brutalität, aber auch von zügellosem, dekadentem Feiern, verstrickt sich der auf sich allein gestellte Gereon Rath. Er wird erpressbar – und muss letztlich entscheiden, auf welcher Seite er stehen will.

Was mir an „Der nasse Fisch“ besonders gefallen hat

„Der nasse Fisch“ ist der erste Band in einer Krimireihe von Fällen des Kriminalkommissars Gereon Rath, die in den Jahren 1929 bis 1933 in Berlin spielt und am Ende acht Romane umfassen soll. Alle sechs bisher erschienenen Bände habe ich gelesen, weil ich richtig gut geschriebene Krimis liebe – vor allem aber, weil mich die dichte, beklemmende Atmosphäre dieses ersten Romans mit seinen vielschichtigen Charakteren, detaillierten Beschreibungen der Orte und des Alltags in Berlin nicht mehr losgelassen hat. Als Leser zu wissen, dass sich die vielen Erzählstränge langsam, aber Roman für Roman zielgenau auf die Katastrophe der nationalsozialistischen Machtübernahme zubewegen, verleiht das lähmende Gefühl, gemeinsam mit den Protagonisten machtlos und zum Zusehen verurteilt zu sein. Volker Kutschers Romane des Gereon-Rath-Zyklus (Der nasse Fisch, Der stumme Tod, Goldstein, Die Akte Vaterland, Märzgefallene und Lunapark) bauen aufeinander auf und ich empfehle dringend, sie in der Reihenfolge ihrer Entstehung zu lesen.

Ronald Wright – Die Schönheit jener fernen Stadt

Buchcover Die Schönheit jener fernen Stadt

   Titel: Die Schönheit jener fernen Stadt

   Originaltitel: A Scientific Romance

   Autor: Ronald Wright

   Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

   Genre: Science-Fiction-Roman

 

 

Kurzinhalt von „Die Schönheit jener fernen Stadt“

London, 1999. Der Archäologe und Fan des Schriftstellers H. G. Wells Dr. David Lambert erhält einen angeblich von H. G. Wells persönlich verfassten Brief. Darin wird dem misstrauischen, aber neugierigen David erklärt, dass Wells’ Roman „Die Zeitmaschine“ an wahre Begebenheiten angelehnt sei. Eine ambitionierte Wissenschaftlerin habe sich in der von ihr gebauten Zeitmaschine in ein Selbstexperiment begeben und den Sprung 500 Jahre in die Zukunft gewagt. Als Sicherheitsvorkehrung habe sie die automatische Rückkehr der Zeitmaschine für Silvester 2000 vorprogrammiert. Trotz seiner Zweifel sucht David den angegebenen Ankunftsort in der Silvesternacht auf: Die geheimnisumwobene Zeitmaschine taucht tatsächlich auf. David bereitet sich auf einen Sprung 500 Jahre in die Zukunft vor.

London, 2500. Entgegen Davids Hoffnungen findet er sich in einem zerstörten und Menschen verlassenen London wieder, das von tropischen Tieren und Pflanzen beherrscht wird. In angstvoller Erwartung bricht er zu einer Reise in den Norden der Insel auf …

Was mir an Ronald Wrights Roman Die Schönheit jener fernen Stadt“ besonders gefallen hat:

Davids Reise in die Zukunft stellt zugleich eine Reise in die eigene Vergangenheit dar: Er muss sich seiner schwierigen Kindheit sowie seinen zerbrochenen Freundschaften und Beziehungen stellen. Durch die Erzählweise in Form von Briefen werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf unvergleichliche Weise miteinander verwoben.

Man könnte meinen, dass auch Ronald Wright das Geheimnis der Zeitmaschine gelüftet hätte, denn der Roman „Die Schönheit jener fernen Stadt“ ist trotz der Veröffentlichung im Jahre 1997 aktuell. Der Klimawandel, der in seiner Geschichte das uns bekannte London zugrunde richtet, schreitet auch heute unaufhaltsam voran.

Für alle, die die Ausreißer unter den Sci-Fi-Romanen lieben – ohne Androiden und Raumschiffe.

Weitere Infos über Ronald Wright finden Sie hier auf Englisch.

Karen Joy Fowler – Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke

Buchcover: Karen Joy Fowler – Die fabelhaften Schwestern der Familie CookeTitel: Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke

Autorin: Karen Joy Fowler

Verlag: Goldmann

Genre: Roman

 

 

 

Was mir an Karen Joy Fowlers Roman „Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke“ besonders gefallen hat:

Der Klappentext von „Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke“ war vergleichsweise nichtssagend, ebenso der Titel des Romans von Karen Joy Fowler. Nichtsdestotrotz legte mir eine Freundin das Buch sehr ans Herz und riet mir, nicht nach den ersten 50 Seiten aufzuhören, sondern es ganz zu Ende zu lesen. Ich bin ihrem Rat gefolgt.

Auf eine Inhaltsangabe werde ich an dieser Stelle verzichten, denn ich will nichts vorwegnehmen. So viel sei indes verraten: Die „fabelhaften Schwestern“ sind Rosemary und Fern. Die beiden sind unzertrennlich bis zu dem Tag, an dem Fern verschwindet. Die Familie kann diesen Verlust nicht verkraften. Die Mutter igelt sich ein, der Vater beginnt zu trinken, Rosemary verstummt und ihr Bruder Lowell verlässt die Familie kurz vor seinem Schulabschluss. Im Erwachsenenalter gelingt es Rosemary dann endlich, die Geschehnisse in ihrer Kindheit zu reflektieren, und sie macht sich daran, herauszufinden, was mit Fern geschah.

Was war vorgefallen? Was hat die Familienmitglieder entzweit? Die Ich-Erzählerin in Karen Joy Fowlers Familiendrama enthüllt nach und nach das Geheimnis, das die Familie Cooke umgibt. Dabei sind ihre Schilderungen oft nicht chronologisch, sie springt zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben hin und her, immer auch getrieben von dem Gedanken, ob sie eine Mitschuld an den Ereignissen hat …

Es ist eine Familiengeschichte der anderen Art, die Karen Joy Fowler erzählt: ironisch, emotional, aber auch erschütternd – zumal das Geschilderte historisch belegbar ist. Dabei vermeidet es die Autorin, zu moralisieren, stellt jedoch gleichwohl die Frage nach ethischem Handeln und danach, was den Menschen zum Menschen macht.

Weitere Infos über Karen Joy Fowler finden Sie hier.