Buchtipp: Herkunft

Cover des Romans HERKUNFT von Sasa Stanisic

Autor: Saša Stanišić

Verlag: Luchterhand, 2019

Roman, 368 Seiten


„Jedes Zuhause ist ein zufälliges: Dort wirst du geboren, hierhin vertrieben, (…) Glück hat, wer den Zufall beeinflussen kann. Wer sein Zuhause nicht verlässt, weil er muss, sondern weil er will.“

 

Der Ich-Erzähler  in „Herkunft“ beschreibt in immer neuen Facetten, was Herkunft für ihn bedeutet, schlaglichtartig und hellsichtig. Was macht die eigenen Wurzeln aus? Was ist Heimat? Kann man mehr als eine Heimat haben?

Das Buch beleuchtet dabei Ereignisse aus der Vergangenheit und der Gegenwart des Ich-Erzählers. Zudem veranschaulicht es, was Erinnerung mit dem Erlebten macht und was mit ihm geschieht, wenn die Erinnerung verblasst, denn Kristina, die Großmutter des Erzählers, leidet an Demenz.

Für den Protagonisten beginnt im Alter von 14 Jahren eine neue Zeitrechnung in einem fremden Land. Dabei weist die Handlung viele autobiographische Bezüge zum Leben von Stanišić auf: Er wurde 1978 in Višegrad im damaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien geboren, seine Heimatstadt gehört mittlerweile zu Bosnien und Herzegowina. 1992 floh er mit seinen Eltern nach Deutschland. Er verbrachte seine Jugend in Heidelberg  und besuchte dort die Schule.

In dem Roman erfahren die Lesenden von den sprachlichen Problemen des Erzählers und davon, wie er sich als Migrant fühlt. Er trifft sich mit anderen Migranten im Stadtteil Emmertsgrund im Süden Heidelbergs auf dem Gelände einer Aral-Tankstelle. Er erzählt von seiner ersten Liebe, von seinen neuen deutschen Freunden, welche sich stark von denen aus der Tankstellen-Clique unterscheiden, und von seinem Deutschlehrer, der ihm rät, Gedichte auf Deutsch zu schreiben und nicht in seiner Muttersprache.

Ein poetischer, brillant beobachteter, virtuos geschriebener Roman über das Weggehen und Ankommen, anrührend und umwerfend humorvoll.

Das Buch wurde mit dem Deutschen Buchpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels als bester deutschsprachiger Roman des Jahres 2019 ausgezeichnet. Aus der Begründung: „Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen. ,Herkunftʻ zeichnet das Bild einer Gegenwart, die sich immer wieder neu erzählt. Ein ,Selbstporträt mit Ahnenʻ wird so zum Roman eines Europas der Lebenswege.“

 

Buchtipp: Thriller-Trilogie Endgültig (2016), Niemals (2017) und Geblendet (2019) von Andreas Pflüger

 

 

 

 

 

Erschienen im Suhrkamp Verlag

Jenny Aaron, hochintelligent, überragend sportlich und sehr ehrgeizig, wird bei einem Auslandseinsatz ihrer Eliteeinheit der deutschen Polizei schwer verletzt und erblindet. Was wie das tragische Ende einer jungen Karriere klingt, ist der Auftakt zu einer Thriller-Trilogie von höchster Erzähldichte und Spannung – wie gemacht für die Tage zwischen den Jahren.

Natürlich ist die Erblindung eine Katastrophe für die junge Frau, die von einem Tag auf den nächsten von einer autonom agierenden, hocheffizienten Kämpferin zu einem Pflegefall wird. Doch die Phase von Verzweiflung und Depression währt nicht lange, denn Jenny fightet sich zurück in den Polizeidienst. Mit voller Konzentration und größter Härte gegen sich selbst trainiert sie Körper und Geist und bringt es so zu ganz neuen Fähigkeiten: Blind und oft misstrauisch schärft sie ihre anderen Sinne zu höchster Sensibilität und wird in kurzer Zeit zur besten Verhör-Spezialistin im Team. Diese Tätigkeit nimmt sie nach anfänglichem Zögern wieder auf und schon bald kämpft Jenny Aaron in scheinbar aussichtslosen Lagen und bei atemberaubenden Herausforderungen wieder um Gerechtigkeit – und um ihr Leben.

Einen Großteil ihrer oft kaum erträglichen Spannung beziehen diese Thriller von Andreas Pflüger aus der ungewöhnlichen Perspektive: Leserinnen und Leser hoffen, bangen und leiden mit der blinden Heldin, deren eingeschränkte Wahrnehmungen zu ihren eigenen werden.

Andere Länder, andere Sprüche

 

Andere Länder, andere Sprüche – Redewendungen in fünf Sprachen

 

Autorin: Michela Tartaglia

Übersetzt von Alexandra Titze-Grabec

Verlag: Dumont

136 Seiten, 18 Euro

ISBN 978-3832169022

Wer glaubt, dass sich Redewendungen problemlos von einer in eine andere Sprache übersetzen lassen, ist ganz klar „on the wood-way“! Im Gegenteil: Die Sinnsprüche und kurzen Volksweisheiten sind oftmals geradezu charakteristisch für eine Sprache und ihre Sprecher, sie müssen wie Vokabeln gelernt und für passende Gelegenheiten bereitgehalten werden.

Die Italienerin Michela Tartaglia untersuchte 25 deutsche Redewendungen und ihre Äquivalente im Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen. Das ist – übersetzt von Alexandra Titze-Grabec und liebevoll illustriert – unterhaltsam und lehrreich zugleich.


Nur die Tiere – Kriminalroman

 

Buchcover Nur die Tiere Lenos Verlag

Titel: Nur die Tiere

Autorin: Colin Niel

Verlag: Lenos Verlag

Genre: Kriminalroman


Es ist ein raues Leben, das die Menschen in der kleinen Stadt inmitten des französischen Zentralmassivs führen. Und jeder von ihnen hat sein eigenes kleines Geheimnis.


Kurzinhalt von „Nur die Tiere“ 

Die Sozialarbeiterin Alice, die neben ihrem Mann vereinsamt, während dieser versucht, die Rinderzucht ihres Vaters über die Runden zu bringen; die hübsche Schneiderin Maribé, die auf dem Markt ausstellt und den Männern den Kopf verdreht; der Schafzüchter Joseph auf seinem abgelegenen Hof – das sind die Hauptfiguren des außergewöhnlichen französischen Thrillers „Nur die Tiere“.

Eines Tages verschwindet Mme. Ducat, Gattin eines reichen Geschäftsmanns, spurlos. Die Polizei recherchiert, befragt die Bürger des Ortes, tut sich aber schwer mit der Lösung dieses offensichtlichen Kriminalfalls.

Gleich fünfmal lesen wir die Geschichte, jedes Mal aus einer anderen Perspektive, in einem anderen Sprachstil, und jedes Mal mit neuen, unerwarteten Details. Doch erst Armand, ein Kleinkrimineller von der fernen Elfenbeinküste, der mit dem Geschehen in der französischen Provinz zunächst gar nicht in Verbindung gebracht werden kann, bringt uns völlig überraschend der Lösung ganz nah …

Wer sich von Colin Niel führen lässt und den weit auseinanderliegenden Handlungsfäden folgt, die auf raffinierte Art zu einem plausiblen, spannenden Roman gesponnen werden, der wird mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt!


 Pressestimmen

„Ein umwerfender polyphoner Roman noir über die Einsamkeit im ländlichen Frankreich von heute.“ (Le Soir)

„Ein atemberaubender Krimi.“ (Libération)
„Ein großartiger Thriller.“ (Le Temps)

„Ein fulminanter Krimi.“ (Kai Spanke, Frankfurter Allgemeine Zeitung)