Seit Monaten angekündigt, jetzt wurde es am vergangenen Freitag auf der Buchmesse in Frankfurt verkündet: das Jugendwort des Jahres 2026, das wie jedes Jahr vom Langenscheidt Verlag 📕 gesucht wird.
Eingereicht und gewählt wurden die Begriffe wieder von den stimmberechtigten Elf- bis 20-Jährigen per Online-Abstimmung. Noch sehnsüchtiger erwartet als das Jugendwort selbst wurde aber wohl dessen Präsentation von Susanne Daubner in der Tagesschau, die zu Recht Kultstatus erreicht hat …
Das Rennen um Platz 1 hat 2026 „Ragebait“ gewonnen.
Auf Platz zwei und drei des Rankings landeten die Begriffe „Peak“ (= das Beste vom Besten) bzw. „Crashout“ (emotionaler Zusammenbruch, Ausraster).
Der könnte wiederum eine Folge von Ragebait sein … Übersetzt heißt Ragebait so viel wie „Wutköder“. Gemeint sind damit mediale Inhalte, die gezielt provozieren, damit es möglichst viele Reaktionen und Kommentare gibt. Das Ziel ist natürlich maximale Reichweite. In sozialen Netzwerken und auf Videoplattformen sind diese Köder allgegenwärtig. Zum „Angeln“ nutzen die Ersteller von Ragebait gezielt sprachliche Mittel: Sehr beliebt sind reißerische Adjektive wie „skandalös“, „schockierend“ und „pervers“ sowie aggressive Fragestellungen wie „Warum stoppt keiner diesen Wahnsinn?!“.
Wir finden spannend, wie der Begriff das Phänomen auf den Punkt bringt: Er beschreibt nicht nur, was passiert, sondern auch, wozu. Wenn also der nächste Wutköder in eurem Feed auftaucht: einfach mal weiterscrollen.
Als das Jugendwort Ragebait verkündet wurde, habe ich, um authentische Infos zu bekommen, gleich meinen Sohn angerufen, ☎️der zwar schon ein paar Jahre älter als 20 ist, der aber dennoch hin und wieder noch Nutzer oder zumindest Versteher von Jugendsprache ist. 😉 Er bestätigte mir, dass „Ragebait“ tatsächlich von Jugendlichen genutzt wird und nicht so ein Begriff ist, der zwar gewählt wurde, aber im Alltag gar nicht verwendet wird. Und er verriet mir, dass das Wort auch Situationen beschreibt, in denen Freunde, die eigentlich einer Meinung sind, sich in Diskussionen im „real life“ bewusst querstellen, um den anderen ‒ aus Spaß an dessen Reaktion auf diese Provokation ‒ aus der Reserve zu locken.
In dem Fall ist Ragebait ein Spiel …
Als Werbelektorat sind wir nah am Puls der Zeit und beobachten ganz genau die Veränderungen in der Sprache. Das ist auch nötig, denn viele neue Begriffe oder sprachliche Wendungen werden in der Werbung schnell aufgegriffen, sind aber erst Jahre später im Duden zu finden.
Und hier der Link zu Susanne Daubners Präsentation
https://www.tagesschau.de/kultur/jugendwort-des-jahres-ragebait-102.html
Autorin: Siw Edelmann







