Auf der Rückfahrt von einem Wanderurlaub in Kärnten stellte ein Freundin, die mit im Auto saß, plötzlich eine interessante Frage:
„Heißt es eigentlich der Inn oder die Inn? Gibt es dafür eine Regel? Das musst du doch wissen!“
Tja – da musste ich selbst erst einmal nachforschen. Bei meiner Recherche stieß ich auf die Ausführungen des Namensforschers Dr. Konrad Kunze, damals Professor am Deutschen Seminar der Universität Freiburg.
Seine Erklärung ist ebenso spannend wie einleuchtend:
In unserem Sprachraum sind Flussnamen überwiegend weiblich. Das hängt unter anderem mit alten Wörtern für Gewässer zusammen. So war etwa das Wort „Ach“ („Fluss“) weiblich, weshalb Flüsse mit der Endung -ach bis heute feminine Namen tragen – etwa die Wutach, die Brigach oder die Schwarzach. Auch das Wort „Bach“ war früher in vielen Dialekten weiblich, was sich noch in historischen Formulierungen wie „die Schlacht an der Katzbach“ widerspiegelt.
Daneben gibt es jedoch sehr alte Flussnamen, die bereits aus vor- oder frühgermanischer Zeit stammen. Diese Namen waren häufig männlich und sind es bis heute geblieben. Dazu gehören beispielsweise der Rhein, der Main, der Lech – und eben auch der Inn. Ihre Namen gehen auf sehr alte Sprachstufen zurück und wurden bereits lange vor der Entstehung des Deutschen geprägt.
Andere ursprünglich männliche Flussnamen haben ihr grammatisches Geschlecht im Laufe der Jahrhunderte geändert. So wurde aus dem männlichen Danubius die heutige Donau, aus Saravus die Saar und aus Rhodanus die Rhône.
Kurz gesagt: Ob ein Flussname männlich oder weiblich ist, hat meist historische und sprachgeschichtliche Gründe. Das grammatikalische Geschlecht vieler Flussnamen wurde bereits vor mehreren tausend Jahren festgelegt – teilweise schon in der indoeuropäischen Grundsprache.
Falls also künftig jemand fragt, ob es der Inn oder die Inn heißt, lautet die Antwort eindeutig: der Inn.

