Anti-Abschiebe-Industrie ist das Unwort des Jahres 2018

Zum Unwort des Jahres kürt die „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ seit 1991 (damals noch unter Federführung der Gesellschaft für Deutsche Sprache) jedes Jahr einen Begriff, der gegen das „Prinzip der Menschenwürde“ oder gegen „Prinzipien der Demokratie“ verstößt. Verantwortlich für die viel beachtete Auswahl des Unworts ist eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten, die durch einen jährlich wechselnden Gast ergänzt wird. Die Aktion selbst ist institutionell unabhängig. Die Jury wählt dabei aus Vorschlägen aus, die jeder im Internet einreichen kann.

902 Einsendungen erreichten die Jury, von denen knapp 70 die Unwort-Kriterien erfüllten. Die zehn häufigsten Einsendungen, die allerdings nicht zwingend den Merkmalen der Jury entsprachen, waren Asyltourismus (122-mal), Vogelschiss/Fliegenschiss (22-mal), DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) (22-mal), Hetzjagd (17-mal), (bedauerlicher) Einzelfall (14-mal), Ankerzentrum (13-mal), Biodeutsche (11-mal), Anti-Abschiebe-Industrie (10-mal), Deal (10-mal) und mutmaßlich (9-mal).

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Unwort des Jahres 2018 heißt „Anti-Abschiebe-Industrie“. Das gab die Sprecherin der unabhängigen und sprachkritischen Jury, die Linguistik-Professorin Nina Janich, am 22. Januar 2019 in Darmstadt bekannt.

Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt, hatte Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Sabotage des Rechtsstaats bezeichnet und von einer „Anti-Abschiebe-Industrie“ gesprochen.

Diese Äußerung eines Politikers aus der Regierungspartei zeige, „wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern“, so Janich. Außerdem unterstellt der Ausdruck denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber unterstützen und geplante Abschiebungen auf dem Rechtsweg überprüfen lassen, die Absicht, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit in großem Maßstab Geld verdienen zu wollen. „Industrie“ suggeriert zudem, es würden dadurch überhaupt erst Asylberechtigte „produziert“. Die Jury stimmt den Einsendenden zu, dass mit diesem Begriff „das geltende Gesetz verhöhnt wird, welches Grundlage unserer Wertegemeinschaft ist“.

Außerdem kritisierte die Jury die nachfolgenden zwei Begriffe als Unwörter für das Jahr 2018. Dabei fällt auf, dass alle aus dem Themenbereich Flucht und Eingliederung kommen.

Menschenrechtsfundamentalismus

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer verwendete diesen Begriff in der Debatte um die Seenotrettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer. Er wollte damit die politische Haltung der von ihm so bezeichneten „moralisierenden Kreuzzügler“ in der Flüchtlingspolitik kritisieren.

Dieser Ausdruck zeigt drastisch, dass es in Deutschland diskutabel geworden zu sein scheint, ob ertrinkende Menschen gerettet werden sollen oder nicht.

Ankerzentrum

Der Begriff wird im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD verwendet und bezeichnet besondere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge, die dort eine „Bleibeverpflichtung“ haben, bis sie auf Kommunen verteilt oder abgeschoben oder freiwillig in ihre Heimat zurückkehren. Der Koalitionsvertrag schrieb die Abkürzung ursprünglich AnKER, was für Ankunft, kommunale Verteilung, Entscheidung bzw. Rückführung stand.

Durch die inzwischen fast durchgängig gebräuchliche Gemischtschreibung wird der Ausdruck zu einem unangemessenen Euphemismus, der die komplizierten Prüfverfahren in diesen Zentren sowie die strikte Aufenthaltspflicht für Flüchtlinge verschleiert, indem die positiven Assoziationen von „Anker“ gezielt ausgenutzt werden.

Auflösung unseres Weihnachts-Gewinnspiels

 

Hier nun wie versprochen die Auflösung unseres Weihnachts-Gewinnspiels
Wie „weihnachtsfest“ sind Sie?

 

Richtig waren folgende Antworten:

1. Wie heißt heute das Land, in dem der Legende nach der Heilige Nikolaus lebte?

a) Türkei

2. Welche Geschenke brachten die Heiligen Drei Könige mit?

b) Gold, Weihrauch und Myrrhe

3. Wann endet der Weihnachtsfestkreis?

c) am 6. Januar

 

Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir 10 x 1 Buch aus unseren Lesetipps. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.

Heißzeit ist Wort des Jahres 2018

Der Hitzesommer hinterlässt seine Spuren: Am 14. Dezember 2018 kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) „Heißzeit“ zum Wort des Jahres


Zum 42. Mal in Folge gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die Wörter des Jahres bekannt. Diesmal hat es „Heißzeit“ auf den ersten Platz geschafft. Das Wort steht nicht nur für den trockenen Hitzesommer, der gefühlt von April bis September 2018 andauerte, sondern soll auch auf eines der schwerwiegendsten globalen Probleme unseres Jahrhunderts hinweisen: den Klimawandel. Dies auch dadurch, so die Jury, dass es sich bei „Heißzeit“ um eine interessante Wortbildung handele: Aufgrund der lautlichen Analogie zu „Eiszeit“ erhalte das aktuelle Wort des Jahres eine „epochale Dimension“ und deute auf eine sich möglicherweise anbahnende neue Klimaperiode hin.


Wie beim Sieger „Heißzeit“ handelt es sich auch bei den Plätzen 2 bis 10 um Begriffe, die das zu Ende gehende Jahr besonders treffend charakterisieren. Hier sind die Wörter des Jahres 2018

Platz 2: Funklochrepublik

Dass das Mobilfunknetz in Deutschland vergleichsweise schlecht ausgebaut ist, bekommen nicht nur Menschen in abgelegenen, ländlichen Gebieten tagtäglich zu spüren. Im Jahr 2019 wird die politische Welt weiterhin heiß diskutieren, ob und wie der neue Mobilfunkstandard 5G in absehbarer Zeit „an jeder Milchkanne“ verfügbar gemacht werden soll.

Platz 3: Ankerzentren

Die als „Ankerzentren“ bezeichneten Aufnahmestellen für Geflüchtete sind Teil des Konzeptes der Großen Koalition, Asylverfahren schneller und effektiver zu bearbeiten. Der Kern dieses Kompositums steht – wie der Anker eines Schiffes – für Fixierung und Sicherung. Zum anderen handelt es sich dabei um eine Art Akronym aus „Ankunft“, „Entscheidung“ und „Rückführung“.

Platz 4: Wir sind mehr

Streng genommen handelt es sich hierbei nicht um ein Wort, sondern um einen ganzen Satz. Seine Anfänge nahm dieser als Titel eines Konzerts gegen Rassismus und rechte Gewalt in Chemnitz. Mit „Wir sind mehr“ reagierten zahlreiche Bewohner der sächsischen Stadt auf fremdenfeindliche Ausschreitungen und Kundgebungen in ihrer Heimatstadt.

Platz 5: strafbelobigt

Hans-Georg Maaßen, der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes, hatte mehrmals mit fragwürdigen politischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht, weshalb sogar Anhänger seiner eigenen Partei CDU seine Ablösung forderten. Als bekannt wurde, dass Innenminister Horst Seehofer ihn daraufhin zum Staatssekretär im Innenministerium „strafbefördern“ wollte, folgte ein Aufschrei unter Politikern und Bürgern. Maaßen wurde letztendlich in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Interessant ist hier: Sucht man bei Google nach dem Wort „strafbelobigt“, findet man neben den Berichten zum Wort des Jahres 2018 keinen einzigen Treffer.

Platz 6: Pflegeroboter

Das Wort symbolisiert den Pflegenotstand in Deutschland und verweist auf die Debatte um die Zukunft der Betreuung von Pflegebedürftigen. Ist es in absehbarer Zeit möglich, dass Roboter den Platz fehlender Pflegekräfte ein- oder die Pflege gar ganz übernehmen? 2018 wurde mit „Pepper“ der Prototyp eines solchen Pflegeroboters vorgestellt.

Platz 7: Diesel-Fahrverbot

Um die EU-Richtlinie zu Stickstoffdioxid-Grenzwerten durchzusetzen, wurden in verschiedenen deutschen Städten Dieselfahrverbote erlassen. Obwohl Vertreter des Bundes, der Länder und der Kommunen 2017 auf zwei Spitzentreffen vereinbart hatten, erhebliche Summen in die Entwicklung sauberer Dieselmotoren zu stecken, konnten besagte Fahrverbote in manchen Städten nicht abgewendet werden.

Platz 8: Handelskrieg

Wie nicht nur die EU, sondern auch China mehrfach durch die Androhung von Strafzöllen zu spüren bekam, schätzt Donald Trump Handelskriege als politisches Mittel. Sie seien, so der US-Präsident, „gut und leicht zu gewinnen“.

Platz 9: Brexit-Chaos

Seit dem 23. Juni 2016, als die Mehrheit der Wähler für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union stimmte, stellt das Thema regelmäßig die Schlagzeilen – besonders, seitdem sich abzeichnet, dass der Brexit in einem Chaos zu enden droht. Noch immer ist unklar, ob es zu einem sogenannten harten Brexit kommen wird; die Folgen sind nicht auszudenken. Einige der „Leaver“, die beim Referendum 2016 mit „Ja“ stimmten, gehören daher inzwischen dem Lager der „Begretter“ an – eine Wortkreuzung aus Brexit und regret („bedauern“).

Platz 10: Mutter aller Probleme

Mit dem 10. Platz weist die GfdS auf ein bekanntes sprachliches Muster hin, um das größte oder wichtigste aller Exemplare einer Kategorie zu bezeichnen. Mit seiner Beschreibung der Migration als „Mutter aller Probleme“ hatte Innenminister Horst Seehofer eine heftige politische Debatte ausgelöst. Reaktionen reichten von Zuspruch für Seehofer bis hin zum Vorschlag, stattdessen Seehofers Mutter zur „Mutter aller Probleme“ zu küren. Unbekannte erlaubten sich gar einen virtuellen Scherz: Wer die Adresse „mutterallerprobleme.de“ in den Webbrowser eingibt, wird derzeit auf die Website von Seehofers Partei CSU weitergeleitet.

Kleine (Rechtschreib-)Fehler mit großer Wirkung

Warum Ihnen unsere Lektorinnen peinliche Fehler ersparen können

 

Zweck der ganz großen Werbeformate ist es, den Betrachter mit ihrer schieren medialen Wucht zu beeindrucken und der beworbenen Marke so zu einem souveränen Eindruck zu verhelfen. Das gelingt umso besser, je pointierter die Botschaft in Wort und/oder Bild gefasst ist und je dichter sie an die Persönlichkeit des Betrachters herankommt.

Dass sich dabei selbst in kürzeste Texte ganz schnell peinliche Fehler einschleichen, wurde kürzlich gleich zweimal deutlich – und zeigt, welcher Stellenwert dem Lektorat ganz unabhängig von der Textmenge zukommt!

So hat ein vergleichsweise winziger Rechtschreib-Fehler den Versuch eines bekannten Markenartiklers konterkariert, mit knackig-kurzer und obendrein lokalkolorierter Botschaft auf riesigen Plakaten die Herzen der Menschen in München zu erobern.

Der Schokoladenhersteller RITTER SPORT (im schwäbischen Waldenbuch zu Hause) grüßte anlässlich des bevorstehenden „größten Fests der Welt“ mit einem gut gemeinten Ratschlag von einem an der Stirnseite des dortigen Hauptbahnhofs angebrachten zweiteiligen Riesenplakat die Reisenden und Touristen. Neben einer Pommes-Schale voller bunter Kleintafeln stand dort zu lesen:

„Wies´n-Tipp: nach jeder Maß eine Kleinigkeit essen.“ (https://www.wuv.de/marketing/riesen_wiesn_fauxpas_ritter_sport_wirbt_mit_deppenapostroph?utm_campaign=mai-ling&utm_medium=teaserbutton&utm_source=newsletter-redaktion)

Wies´n! Mit Apostroph! Mit „Deppen“-Apostroph, wie es in München heißt! Und das zur Wiesn-Zeit! Nur wenige Tage, nachdem die Stadt München sich die Marke „Wiesn“ sogar endlich hat schützen lassen!

Zwar haben die Schokoladen-Schwaben den winzigen Fehler, der die große Distanz zu den Münchnern offenbart hat, eiligst ausgemerzt und das verräterische Apostroph übermalen lassen, aber das Interesse am Verzehr der bunten kleinen Kakao-Tafeln als Snack zwischen je zwei Maß Bier dürfte bei vielen Wiesngängern verloren gegangen sein.

„Wies´n“ mit „Deppen“-Apostroph: Das passiert auch nur Preußen!

Ein kurioses und eher handwerkliches Missgeschick ist etwa zur gleichen Zeit der Airline Cathay Pacific unterlaufen. Das Unternehmen, als Dienstleister im Bereich des gehobenen Personentransports rund um die Welt bekannt für seinen besonders aufmerksamen Service, hatte für kurze Zeit einen Flieger in Gebrauch, der einen fehlerhaften Schriftzug des eigenen Unternehmensnamens mutmaßlich über viele tausend Kilometer und von Flughafen zu Flughafen transportiert hat: Bei der Beschriftung mit meterhohen Lettern unter Zuhilfenahme von Schablonen war offensichtlich das „F“ vergessen und dieser Fehler nicht bemerkt worden (http://www.reisereporter.de/artikel/5742-airline-cathay-pacfic-schreibt-eigenen-namen-auf-flugzeug-falsch-paciic).