Beim Wort genommen: Helau, Alaaf, Awaaf und Alleh hopp

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Heute ist der 11.11. und nicht nur in Köln starten die Menschen in die „5. Jahreszeit“:
Der Karneval, je nach Region auch Fastnacht, Fasching, Fastelovend und Fasteleer genannt, beginnt.

Doch was bedeuten die Rufe, die die Närrinnen und Narren von nun an bis zum Aschermittwoch in den verschiedenen Regionen erschallen lassen?

In Köln, Bonn und Aachen heißt es „Alaaf“. Der Ausdruck lässt sich zwar sprachgeschichtlich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen, dennoch ist seine Herkunft unklar. Wahrscheinlich liegt ihm das kölsche „all af“ zugrunde, das „über alles“ bedeutet, ursprünglich gar kein karnevalistischer Begriff war und den Ruf „Kölle alaaf“ ganz einfach zur Liebeserklärung „Köln über alles“ macht.

Sowohl rheinauf- wie rheinabwärts, nämlich in Mainz, Koblenz und Düsseldorf, und an vielen anderen Orten ruft man „Helau“, den meistverbreiteten Narrenruf in Deutschland. Auch hier ist die sprachliche Herkunft unklar, die Erklärungsversuche reichen von „Hallo“ und „Hellblau“ bis „Hölle auf“ und „Halleluja“.

Deutlich seltener und nur im Bayreuther Fasching zu hören ist der Ruf „Awaaf“. Vermutlich setzt er sich aus dem kölschen „Alaaf“ (s. o.) und dem Ausdruck „Waaf“ zusammen, was so viel heißt wie „keinen Mist reden“.

Wenn die Saarländer Fastnacht feiern, klingt es Französisch. Fast jedenfalls, denn anders als im Französischen wird ihr Ruf „Alleh hopp“, also „Los geht’s“, auf dem „A“ der ersten Silbe betont.

Ob Sie Alaaf, Helau, Awaaf oder Alleh hopp rufen: Das Team von Wort für Wort wünscht allen Jecken viel Spaß!

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Beim Wort genommen: Folge 54

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Den Molli machen

Was eine Molle ist, weiß man genau, zumindest in Berlin: ein Glas Bier. Wer oder was aber ist der sprichwörtliche Molli? Da wird es ganz schön schwammig, und das bleibt auch so. Denn bislang hat die Wissenschaft sich an dem Molli die Zähne ausgebissen, sprich keine belastbare etymologische Erklärung finden können.

Vieles ist dazu im Umlauf. Fest scheint zu stehen, dass der Begriff „den Molli machen“ nur im Rheinland verbreitet ist. Alles, was darüber hinausgeht, ist Spekulation: Er könne etwas mit Maulwürfen oder dem Brüderschafttrinken zu tun haben, vielleicht auch mit dem Verdreschen von Hunden. Interessanter ist der Verweis auf das französische Wort „moulin“, (Wind-)Mühle. Verwendet wird die Redewendung in dem Sinn: vorführen, hintergehen, jemandem auf der Nase herumtanzen. Da geht es also darum, mit einer Person etwas zu veranstalten, wogegen sich diese nicht wehren kann und dem sie in der Art ausgesetzt ist wie … z. B. die Windmühle dem aufprallenden Wind.

Mit etwas Fantasie könnte man gleich noch eine Nebenerklärung unterbringen, weil nämlich Molli auch die Kurzform von Molotowcocktail ist – und der verhält sich zu seinem Anschlagsziel gewissermaßen wie der Wind zur Mühle.

Beim Wort genommen: Folge 53

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Schlitzohr

Wenn man ein echtes Schlitzohr vor sich hat, weiß man nicht so genau, ob nun die Sympathie oder der Ärger überwiegt. Spontan wird assoziiert: Der ist listig, durchtrieben, ein Filou, ein Früchtchen, ein Cleverle.

Zwar hat auf alten Darstellungen auch der Teufel oft geschlitzte Ohren, aber in dem Fall scheint er nicht unbedingt das Vorbild gewesen zu sein, denn das Schlitzohr ist immerhin teilweise sympathisch. Da ist eine andere Überlieferung wahrscheinlicher: Früher waren als Bestrafung von Amts wegen Verstümmelungen üblich. Keine Hand ab für Diebe also, sondern ein gut sichtbarer Schlitz im Ohr als Strafe, Erkennungszeichen und zur allgemeinen Warnung. Seinen Ursprung hatte diese Art des Brandings vermutlich im Zusammenhang mit treulosen Zimmerleuten. Diese haben nämlich schon immer als eine Art Zunftzeichen Ohrringe getragen. Da lag es im Verdachtsfall nahe, sie als Bestrafung einfach herauszureißen. Zurück blieb beim Schuldigen ein geschlitztes Ohr als ewiger Makel – für die anderen ein geflügeltes Wort als Evergreen.

 

Beim Wort genommen: Folge 52


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Gelackmeiert, der Gelackmeierte sein

Manchmal will man es ganz genau wissen, vor allem bei so dubiosen und unzugänglichen Begriffen wie: gelackmeiert. Der Sinn ist wohl klar, aber in stillen Momenten fragt sich doch der ein oder andere, wo solch ein Wort wohl herkommt und wo es seinen Anfang nahm.

In dem Fall hat man es mit zwei Wurzeln zu tun, dem Lack und dem Meier. Lack ist an sich etwas Schönes, außer er ist ab oder jemand ist ein Lackaffe, also ein Gelackter, einer mit zu viel Lack – ein Wichtigtuer. Was gelackt ist, kommt entsprechend nicht gut an, es geht ums (Vor-)Täuschen. Der Meier (siehe: Major, Maire) war ursprünglich der Oberste, der Vorsteher, also eine respektierte Persönlichkeit. Wie bei vielen Begriffen gibt es aber auch hier eine Bedeutungsumkehr in spezifischen Kontexten, etwa bei Zusammensetzungen. Da rutscht dann die Meinung über Herrn Meier ganz tief in den Keller, Beispiel: Kraftmeier, Vereinsmeier etc. – alles durchweg verächtlich gemeint. Die Verbform dazu (meiern) hat sich mit dem Sinn „täuschen, foppen“ im Sprachgebrauch niedergeschlagen. Als Resultat ergibt sich, dass der Gelackmeierte gelackt und gemeiert – getäuscht und gefoppt – wird, also doppelt veräppelt.