Beim Wort genommen: Folge 50

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So`n Kaventsmann!

Kennt jeder, oder? Ein Begriff aus der Abteilung Prahlerei: Gemeint ist der fetteste Motor, das dickste Steak auf dem Grill, der Riesenfang … ein Synonym also für gigantisch, kolossal, mordsmäßig groß. Im Sprachgebrauch ist der Kaventsmann (auch Kawenzmann etc.) noch nicht sehr lange (weniger als 200 Jahre), aber seit ewig schon gehört er zum Sprachcode der Seeleute, die damit keineswegs nur geprahlt haben – was sie ja gern tun, weil es für ihre Storys selten Augenzeugen gibt. Für sie sind Kaventsmänner die schiffeverschlingenden Riesenwellen, deren Existenz ihnen jahrhundertelang keiner abgekauft hat. Denn die sollten doppelt so hoch sein wie wissenschaftlich anerkannt. Da legte man sich für die Vielzahl verschollener Trawler und zerschlagener Frachtschiffe lieber menschliches Versagen als Ursache zurecht … bis die modernen Satellitenaufnahmen schließlich den Seeleuten Recht gaben. Wie sie einst aber überhaupt auf den Begriff gekommen sind? Schriftquellen sind in dem Umfeld selten, aber man munkelt, der Kaventsmann leite sich von dem Konventsmann ab, dem wohlgenährten Mönch –  jede Riesenwelle war damit quasi dessen Karikatur und bei dramatischem Wellengang vielleicht der einzige Grund zum Lachen …

Beim Wort genommen: Folge 49

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Das kann kein Schwein lesen!

Diese Redensart wirft viele Fragen auf, denn welches Schwein kann lesen, was hier unterstellt zu sein scheint? Die Wahrheit liegt im seit jeher dünn besiedelten Schleswig, wo schon immer vorzugsweise Bauern wohnten, keine Gelehrten. Zeitweilig konnten dort überhaupt nur die Mitglieder der Familie Swyn lesen. Zu denen ging, wer für ein Schriftstück einen Vorleser brauchte. Und war etwas so verfasst, dass nicht mal einer der Swyns (verballhornt: kein Schwein) es lesen konnte, dann war Ende Gelände. Gilt heute noch.

Beim Wort genommen: Folge 48

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Den Nagel auf den Kopf treffen

Schützenvereine sterben allmählich aus, ihre Riten leben aber weiter, zum Beispiel in dieser Redewendung. Sie soll nämlich aus dem Schützenmilieu stammen, wo das Zentrum der Zielscheibe „Nagel“ genannt wurde. Wer den traf, hatte einfach alles richtig gemacht – was sprichwörtlich wurde. Zu dem Thema gäbe es Fortsetzungen, zum Beispiel diese: Nägel werden nicht von ungefähr auch Zwecken genannt wie in Reißzwecke, und Zweck ist gleich Ziel … so spannend ist manchmal die Sprachgeschichte!

Beim Wort genommen: Folge 47

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Kein Blatt vor den Mund nehmen

Auch so eine schöne Redensart, deren Ursprung keiner mehr kennt. Vermutlich geht der Ausdruck auf eine sehr alte Theatersitte zurück, alles Anstößige nicht vor Zeugen auszusprechen, indem man sich ein Blatt vor den Mund hielt. Die Geste lebt heute weiter in Form der vorgehaltenen Hand, die zum Einsatz kommt, wenn anderer Leute Geheimnisse zum Talk of the Town werden. Wer hingegen kein Blatt vor den Mund nimmt, äußert seine Ansichten unverblümt und frei heraus.