Buchtipp März 2015: Oliver Scherz/Eva Muggenthaler – Der kleine Erdvogel

„Der kleine Erdvogel“ von Oliver Scherz und Eva Muggenthaler ist ein wunderbares Bilderbuch über das Wünschen und Sehnen und darüber, dass es manchmal nur einer kleinen Hilfe bedarf, um einen kreativen Umgang damit zu entwickeln.

Titel: Der kleine Erdvogel

Autoren: Oliver Scherz/Eva Muggenthaler

Verlag: Beltz Verlag, 2013

Genre: Bilderbuch

 

Kurzinhalt von „Der kleine Erdvogel“ von Oliver Scherz und Eva Muggenthaler:

 „Der kleine Erdvogel“ erzählt eine Geschichte der Sehnsucht: Der kleine Maulwurf, nicht viel größer als ein Eichenblatt, will fliegen. Mutter Maulwurf hält das für Unfug und klärt ihn auf: „Wir leben unter der Erde. Wir fliegen nicht.“ Dennoch gräbt er sich an die Erdoberfläche und begibt sich von der Spitze des Maulwurfshügels aus auf eine Reise. Dabei trifft er zahlreiche andere Tiere, die er über seinen dringlichen Wunsch informiert: „Ich will fliegen!“ Die Kuh reagiert mit Unverständnis und fragt ihn, warum er unbedingt das will, was er nicht kann. Die Fliegen lachen den kleinen Maulwurf aus: „Du hast Schaufeln statt Flügel. Außerdem bist du blind.“ Der Hahn erzählt dem kleinen Maulwurf von seinen eigenen fruchtlosen Flugversuchen und der Storch erklärt ihm unmissverständlich, dass das Fliegen eine Kunst sei.

Allein die Eule hat Verständnis für den „kleinen Erdvogel“ und rät ihm, zunächst einmal mit „den Ohren zu fliegen“, d. h. dem Wind zu lauschen. Diesem Rat folgend wird der kleine Maulwurf plötzlich von einer stürmischen Böe erfasst, die ihn durch die Luft wirbelt. „Ich fliege!“, ruft der kleine Maulwurf aufgeregt …

Auch wenn die anderen Tiere den Flug des Maulwurfs geringschätzen („Der wirbelt doch bloß, der fliegt doch nicht!“) und Mutter Maulwurf darauf beharrt, dass er allenfalls ein kleiner Erdvogel sei, liegt der kleine Maulwurf abends zufrieden im Bett, erinnert sich an seinen aufregenden Ausflug, schnuppert an seinem Fell, das noch nach „Wind und weiter Welt“ duftet und fliegt vor dem Einschlafen noch einmal in Gedanken durch die Lüfte.

Was mir an dem Buch „Der kleine Erdvogel“ so gut gefällt:

Mit viel Ideenreichtum und Humor sowie auf wirkungsvolle Weise werden in dem Bilderbuch „Der kleine Erdvogel“ von Oliver Scherz und Eva Muggenthaler für Kinder ab ca. vier Jahren die Themen Sehnsucht und (unerfüllte) Wünsche sowie deren mögliche Realisierung angesprochen: Der kleine Maulwurf lebt unter der Erde, ist nahezu blind, hat Schaufeln statt Flügeln und ist eigentlich der klassische Höhlenbewohner. Und doch lebt in ihm die große Sehnsucht nach dem Fliegen. In der Figur der Eule trifft er einen Unterstützer: jemanden, der ihm zuhört und hilft, einen kreativen Umgang mit seinen Wünschen zu entwickeln. Dieser Beistand ist zugleich der Punkt der Wandlung, an dem der kleine Maulwurf beginnt, im Rahmen seiner Möglichkeiten seine Sehnsüchte zu realisieren.
Die Abbildungen in „Der kleine Erdvogel“ gehen eine wunderbare Einheit mit dem klugen und witzigen Text ein, ergänzen ihn kongenial und sind darüber hinaus ein optischer Genuss. Es gibt auf jeder Buchseite eine Fülle an kleinen Details zu entdecken, die „ganz nebenbei“ auch das genaue Wahrnehmen schulen.

Darüber hinaus bietet „Der kleine Erdvogel“ zahlreiche Gesprächsanlässe – nicht nur über die im Buch erwähnten Tiere und ihre Besonderheiten, sondern auch über eigene Erfahrungen mit dem Thema: Wonach hat man schon einmal Sehnsucht gehabt? Wie fühlt sich Sehnsucht an? Und warum ist es manchmal so wichtig, einen Unterstützer zu finden?
Mein Gesamteindruck: ein wunderbares Buch – nicht nur für Kinder, sondern für alle Menschen, die Sehnsucht kennen …

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