Studie zur Verständlichkeit von Wahlprogrammen liefert desaströse Ergebnisse

Eine Studie der Universität Hohenheim zeigt: Die Verständlichkeit von Wahlprogrammen lässt zu wünschen übrig. In den Programmen zu den Landtagswahlen 2016 wimmelt es von Fremdwörtern, Mammutkomposita und verschachtelten Sätzen

Jeder kennt es: das Klischee von der Unverständlichkeit und Intransparenz von Politik. Doch ist das wirklich nichts weiter als ein Vorurteil? Keinesfalls – wenn man den Ergebnissen des „Wahlprogramm-Checks“ der Universität Hohenheim Glauben schenkt. Mithilfe der eigens entwickelten Software „TextLab“ untersuchten Kommunikationsexperten die formale Verständlichkeit von Wahlprogrammen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Das Ergebnis der Studie: ernüchternd.

Auf einer Skala von 0 (unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) erreichen die Wahlprogramme der drei Bundesländer durchschnittlich gerade einmal 7,8 Punkte. Zum Vergleich: Der Verständlichkeitswert einer Doktorarbeit im Fach Politikwissenschaft liegt im Durchschnitt bei einem Wert von 4,3; Politikbeiträge überregionaler Zeitungen wie der FAZ bringen es auf bis zu 14 Punkte.

Intransparente Wahlprogramme: Parteien verstoßen gegen grundlegende Verständlichkeitsregeln

Blogartikel Wort für Wort: Verständlichkeit von Wahlprogrammen

Quelle: Universität Hohenheim

Der sogenannte „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ ergibt sich aus einer Reihe grundlegender Verständlichkeitsparameter. Alle Parteien begehen in ihren Wahlprogrammen Verstöße gegen diese Parameter: Fremd- und Fachwörter zuhauf, unverständliche Wortneuschöpfungen und Komposita, Anglizismen und Bandwurmsätze.

Worauf möchte die AfD Baden-Württemberg wohl mit dem Begriff „Rationalisierungspotentiale“ verweisen, und was bedeutet das wenig intuitive Wortungetüm „Altlastensanierungsgesellschaft“, das im rheinland-pfälzischen Wahlprogramm der Grünen auftaucht? Erschwert wird das Verständnis außerdem durch zahlreiche komplexe Schachtelsätze mit einer viel zu hohen Informationsdichte, die sich nicht selten aus mehr als 40 Wörtern zusammensetzen. Spitzenreiter ist hier die CDU Sachsen-Anhalt, die zusammengewürfelte Informationen aus verschiedensten Themenbereichen zu einem Satzmonster von 80 Wörtern verknüpft. Doch damit nicht genug: In den Wahlprogrammen wimmelt es zusätzlich von vermeidbaren Anglizismen und „denglischen“ Begriffen wie „Drug-Checking-Angebote“ (Die Linke, BW), „Re-Powering“ (SPD, SA) oder „Downhillfahren“ (FDP, BW).

Zu allem Überfluss werden die Wahlprogramme zumeist erst kurz vor der Wahl veröffentlicht, was den Bürgern in Anbetracht der schieren Textmassen – das längste Wahlprogramm hat 243 Seiten – wenig Zeit lässt, sich intensiv mit den umständlich formulierten Inhalten auseinanderzusetzen.

Parteien verschenken durch die mangelnde Verständlichkeit von Wahlprogrammen kommunikatives Potenzial

Die Quintessenz der Studienergebnisse: Die Texte sind alles andere als leserfreundlich. Offenbar unterschätzen die Parteimitglieder die kommunikative Wichtigkeit ihrer Wahlprogramme, die von vielen Bürgern zumindest auszugsweise durchaus gelesen werden.

Diese verpasste Kommunikationschance macht eins deutlich: Informationsvermittlung sollte gelernt sein. Nur wenn Sie typische Fehler vermeiden und Ihren Text passgenau auf die jeweilige Zielgruppe zuschneiden, können Sie das kommunikative Potenzial voll ausschöpfen. Genau in dieser Kernkompetenz macht unser Wort für Wort-Team Sie in praxisbezogenen Text-Schulungen fit. Denn kundenorientierte Kommunikation ist das A und O, wenn Sie – anders als die Landtagsparteien mit ihren Wahlprogrammen – einen individuellen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen wollen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>