Buchtipp Januar 2015: Fabrizio Gatti – Bilal: Als Illegaler auf dem Weg nach Europa

Fabrizio Gattis Beschreibung der qualvollen Reise afrikanischer Migranten nach Europa und der entsetzlichen Zustände, die sie auf diesem Kontinent antreffen.

Titel: Bilal: Als Illegaler auf dem Weg nach Europa

Autor: Fabrizio Gatti

Übersetzer: Friederike Hausmann und Rita Seuß

Verlag: rororo (2011)

Genre: Reisebericht

 

Kurzinhalt von Fabrizio Gattis Bilal: Als Illegaler auf dem Weg nach Europa:

Der italienische Journalist Fabrizio Gatti macht sich unter dem Decknamen Bilal als Migrant von Afrika aus auf den Weg nach Europa und erlebt auf dieser Reise am eigenen Leib, welche Qualen die Flüchtlinge auf sich nehmen in der Hoffnung auf ein vermeintlich besseres Leben in Europa. Beginnend in Niger, Startpunkt der Flüchtlingstrecks, durchquert er mit vielen anderen auf einem LKW die Wüste. An Kontrollstationen sowie in den Oasen und Siedlungen werden den „Reisenden“ von Schleppern, Banditen, aber auch von Soldaten und Polizisten die gesamten Habseligkeiten abgenommen. Wer sich dagegen wehrt oder nichts hat, wird misshandelt. So bleibt die Mehrheit der Migranten mittellos auf ihrem Weg nach Europa in der Wüste stecken. Die anderen, die es bis zur Mittelmeerküste schaffen, versuchen dort, auf überfüllten Booten nach Lampedusa überzusetzen. Gatti selbst entscheidet sich im letzten Moment gegen die Überfahrt mit einem maroden Boot. Er reist per Flugzeug zurück nach Italien, wo er an der Küste Lampedusas ins Meer springt, um sich als Illegaler Bilal aufgreifen und in ein Flüchtlingslager stecken zu lassen. Dort findet er menschenunwürdige Zustände vor. Bei seiner Entlassung erhält er wie alle Flüchtlinge die Auflage, Italien innerhalb von 5 Tagen zu verlassen. Dies allerdings befolgt keiner der Flüchtlinge. Die meisten suchen sich für einen Hungerlohn illegale Arbeit und beginnen so ihr neues Leben als moderne Sklaven ohne Rechte.

Was mir an dem Buch von Fabrizio Gatti so gut gefällt:

Fabrizio Gatti berichtet in diesem Buch eindrucksvoll davon, welch tragischen und grausamen Weg die Migranten aus Afrika auf sich nehmen, um ihrem Traum von einem besseren Leben in Europa ein Stück näher zu kommen. Durch seine mutige Recherche zeigt Gatti in seiner Rolle als Bilal dem Leser die absolute Hilflosigkeit der Flüchtlinge, die ihre Reise oft mit dem Tod bezahlen, sowie die große Unmenschlichkeit vieler Personen, denen sie auf ihrem beschwerlichen Weg begegnen, und auch den Mangel an Humanität in den europäischen Flüchtlingsgesetzen. Trotz der Veröffentlichung des Buchs bereits vor einigen Jahren hat die Thematik bis heute nichts an Brisanz und Aktualität verloren. Nach wie vor fehlt es an Lösungen für diese katastrophalen Umstände: Die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union konnte bislang keine Verbesserungen für die betroffenen Migranten erzielen, und das, obwohl sie 2012 den Friedensnobelpreis erhalten hat. Fabrizio Gatti, der 2014 mit dem Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL ausgezeichnet wurde, verdeutlicht uns diese Missstände in seinem Buch auf eindringliche Art und Weise. Es ist sowohl ein Appell an die Politiker, sich immer wieder dieses Problems anzunehmen, als auch ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit, nicht zuletzt gerichtet an all die Europäer, die Flüchtlinge in ihrem Land nicht willkommen heißen. Eine erschreckende Chronik, die unter die Haut geht und hoffentlich irgendwann Konsequenzen nach sich zieht!

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