Beim Wort genommen: Folge 53

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Schlitzohr

Wenn man ein echtes Schlitzohr vor sich hat, weiß man nicht so genau, ob nun die Sympathie oder der Ärger überwiegt. Spontan wird assoziiert: Der ist listig, durchtrieben, ein Filou, ein Früchtchen, ein Cleverle.

Zwar hat auf alten Darstellungen auch der Teufel oft geschlitzte Ohren, aber in dem Fall scheint er nicht unbedingt das Vorbild gewesen zu sein, denn das Schlitzohr ist immerhin teilweise sympathisch. Da ist eine andere Überlieferung wahrscheinlicher: Früher waren als Bestrafung von Amts wegen Verstümmelungen üblich. Keine Hand ab für Diebe also, sondern ein gut sichtbarer Schlitz im Ohr als Strafe, Erkennungszeichen und zur allgemeinen Warnung. Seinen Ursprung hatte diese Art des Brandings vermutlich im Zusammenhang mit treulosen Zimmerleuten. Diese haben nämlich schon immer als eine Art Zunftzeichen Ohrringe getragen. Da lag es im Verdachtsfall nahe, sie als Bestrafung einfach herauszureißen. Zurück blieb beim Schuldigen ein geschlitztes Ohr als ewiger Makel – für die anderen ein geflügeltes Wort als Evergreen.

 

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