Buchtipp Oktober 2015: Sven Regener – Der kleine Bruder

Buchcover: Sven Regener – Der kleine BruderTitel:    Der kleine Bruder

Verlag:  Goldmann

Genre:  Roman

 

 

Kurzinhalt von Sven Regeners Der kleine Bruder

Sven Regener beschreibt in seinem Nachfolgeroman von „Herr Lehmann“, wie sich in  Berlin-Kreuzberg 1980, also lange vor der Wende, eine äußerst lebendige Szene zusammenfindet: Künstler und Musiker leben in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz mit Hausbesetzern, Punks und „Normalos“. Dieses Universum betritt das Nordlicht Frank Lehmann aus Bremen, der, gerade job- und wohnungslos, in Berlin hofft, seinen Bruder Manni zu finden, der sich hier Freddie nennt und Objektkünstler ist. Frank lernt Freddies WG-Genossen kennen und es beginnt eine lange Nacht, in der das Berliner Leben aus Franks distanzierter Perspektive geschildert wird, eine Art Roadmovie zu Fuß, mit überraschenden Wendungen: „Das ist wie in der Geisterbahn. Jetzt sind alle eingestiegen, und der Bügel geht runter, und dann müssen das auch alle bis zu Ende mitmachen …“

Was mir an dem Buch Der kleine Bruder so gut gefällt:

Von Sven Regener kannte ich bisher nur den Film zu seinem Roman „Herr Lehmann“, der mir als äußerst skurril, witzig und melancholisch in Erinnerung geblieben ist. „Der kleine Bruder“ ist sicherlich ein super Einstieg in sein schriftstellerisches Werk, denn der Roman ist zeitlich vor „Herr Lehmann“ angesiedelt und erzählt, was geschah, als Herr Lehmann von allen noch Frank genannt wurde.

Der Roman beschreibt in Anlehnung an ein Roadmovie die Geschehnisse in einem engen Zeitfenster von einer Nacht und einem Tag. Der Protagonist Frank sucht seinen Bruder in Berlin-Kreuzberg und lernt dabei eine Menge schräger Typen an mehr oder weniger seltsamen Orten kennen. Ob Hausbesetzer, Musiker oder Künstler, alle bekommen hier ihr Fett weg. Seitenhiebe auf die Kunst und vor allem auf die sich selbst so bezeichnenden „Künstler“ finden sich fast auf jeder Seite. Und das ist richtig witzig. Wie Regener das schafft: Er konstruiert die absurdesten Dialoge, in denen er seine Figuren unendlich viel und unendlich redundant quatschen lässt. Mal sind sie bei ihren Tiraden nüchtern, mal bekifft oder sturzbetrunken. Genau dies macht die Qualität des Buches für mich aus: In der Banalität des Gesagten offenbart sich viel über das manchmal verquere Denken und Fühlen der Figuren, die sich ein ums andere Mal selbst entlarven.
So ist der Roman ein humorvolles, aber nicht oberflächliches Stück literarisch durchdrungener Zeitgeschichte der 80er in Berlin.

Mehr über Sven Regener erfahren Sie auf seiner Website.