Pilgerreise nach Lourdes mit Navi – Manchmal ist der Weg das Ziel

Warnung Navi

Manchmal irrt das Navi auch. © Jan Schuler - Fotolia.com

Mit korrekter Rechtschreibung nach Lourdes

Wortwörtlich auf die harte Tour haben kürzlich zwei belgische Radfahrer lernen müssen, wie wichtig die korrekte Rechtschreibung ist – auch und ganz besonders im digitalen Zeitalter. Wer meint, sich auf mitdenkende Technik verlassen zu können, hat weit gefehlt – im Extremfall auch mal 500 Kilometer daneben. Die besagten Radfahrer hatten den frommen Wunsch, mit ihren Zweirädern zu dem Wallfahrtsort Lourdes (frz. Pyrenäen) zu pilgern und landeten stattdessen in dem sicherlich auch malerischen Loudes in der Auvergne. Unser Kölner Lektorat und Übersetzungsbüro kann da durchaus mitfühlen, denn auch die Pilgerstadt Köln hat über die Zeit ein paar Buchstaben verloren – von ehemals stolzen 31 (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) auf heutzutage nur noch vier. Das Navi der beiden Radler, in Unkenntnis der Bedeutung des Ortes Lourdes mit „r“ für die Christenheit, hatte sich auch mit dem um einen Buchstaben kürzeren Loudes zufrieden gegeben und prompt eine völlig korrekte Route ausgespuckt.

Das Smartphone will nicht mit nach Lourdes …

Apropos korrekt: Während das gute alte T9 auf den althergebrachten Handys meist nur kleinere Rechtschreibfehler verursacht hat (dem statt den etc.), da es sich mit seinen Vorschlägen noch an der tatsächlich durchgeführten Tastenkombination orientierte, „hilft“ das Smartphone da schon deutlich aggressiver. (Man bedenke, dass „smart“ neben „schlau“ auch „schmerzend“ bedeuten kann…) Basierend auf einem undurchsichtigen System, welches angeblich auch schon verwendete Wörter mit einbaut, korrigiert das wohlmeinende Telefon die Nachrichten seines Besitzers still und heimlich während des Schreibens. Diese unglaublich „zeitsparende“ Schreibhilfe verändert den Sinn oft so stark, dass man vor dem Absenden besser zweimal liest, ob der Inhalt noch derselbe ist, den man verfasst hat. Das Smartphone der Verfasserin ersetzt bei der Eingabe einer Textnachricht „Lourdes“ übrigens kurzerhand durch „Mordes“.

Die allerschönsten Beispiele für solche verpatzten Nachrichten findet man auf www.damnyouautocorrect.com (Englisch) und www.geliebte-autokorrektur.de (Deutsch). Und nicht vergessen: Navi-Einträge vor längeren Fahrradtouren zweimal kontrollieren!

Automatisches Übersetzungssystem: bei Staatsbesuch an der Sprache gespart

Rede der Kanzlerin wurde von automatischem Übersetzungssystem bearbeitet

parlez-vous francais© Maridav – Fotolia.com

Automatische Übersetzungssysteme und maschinelle Übersetzung werden gemeinhin als kostensparende Alternative zum arbeitsintensiven Übersetzerhandwerk betrachtet. Was für Folgen es haben kann, wenn man an der falschen Stelle spart, zeigte sich letzten Monat im Ludwigsburger Schlosshof bei einer Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich des 50. Jahrestags der Rede „An die deutsche Jugend“ von Charles de Gaulle. Für das französische Publikum, darunter Präsident François Hollande, wurde die übersetzte Ansprache der Kanzlerin als Untertitel auf Leinwände projiziert. Hierbei entschied sich der Veranstalter anstelle der sonst üblichen Dolmetscher für eine Übersetzung durch ein automatisches Übersetzungssystem – was die Rede für die französischen Gäste zu einem unerwartet erheiternden Ereignis werden ließ. In den französischen Untertiteln äußerte Merkel laut einem Bericht des Spiegels vom 15. Oktober ihre Sorge über die „jungen Heizungen“ Europas und erinnerte daran, dass de Gaulle bei seiner Rede die deutschen „Gerüche“ beglückwünscht habe. Der französischen Delegation – Hollande eingeschlossen – soll es schwer gefallen sein, sich das Lachen zu verkneifen.

Sollten Sie Bedarf an Dolmetschleistungen haben, so können Sie bei uns sicher sein, dass Sie stets hochqualifizierte Dolmetscher aus Fleisch und Blut vermittelt bekommen – und keine automatischen Übersetzungssysteme.

Übrigens: Bei Charles de Gaulles Originalrede von 1962 musste man sich mit solchen Problemen nicht herumschlagen: Automatische Übersetzungssysteme waren damals noch kein Thema – und de Gaulle hielt seine Rede „An die deutsche Jugend“ auf Deutsch.