Rechtschreibkatastrophe – wie Kinder heutzutage die Rechtschreibung (ver-)lernen

Seit Jahren lässt sich ein Trend zur Abnahme der Orthographiekompetenz feststellen. Eine Rechtschreibkatastrophe.

© mg1964 - Fotolia.com

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„Er sah auf, er nam den Stein den dan Maden in er haud ligen hate.“ Na, verstehen Sie diesen Satz? Der SPIEGEL zitierte ihn unlängst in seinem Aufschrei-Artikel („Die neue Schlechtschreibung“, Heft Nr. 25) als abschreckendes Beispiel. Er stammt von einer Viertklässlerin, die – wie die meisten Grundschüler in Deutschland heutzutage – nach der Methode „Lesen durch Schreiben” unterrichtet wird.

Lesen durch Schreiben – bloß kein Drill, Hauptsache Spaß

Der Schweizer Grundschulpädagoge Joachim Reichen glaubte in den 1980er Jahren, dass Kinder sich die Schriftsprache selbst erschließen können – jedoch ohne Drill, nur mit Spaß. Die Basis für seine Methode bildet die sogenannte „Anlauttabelle“, in der jeder Buchstabe durch ein putziges Bildchen dargestellt wird, so beispielsweise das „E“ durch einen Esel. Die Kinder sollen mithilfe dieser Tabelle so schreiben, wie sie die Wörter sprechen, und über diesen Weg auch das Lesen erlernen (ein Resultat dieser Methode haben wir eingangs gesehen). Eine Rechtschreibkatastrophe.

Die eigentlichen Rechtschreibregeln bleiben dabei zunächst unberücksichtigt und werden den Schülern, je nach Lernfortschritt, frühestens ab Ende des ersten Schuljahres, mitunter sogar erst in der dritten Klasse nahegebracht. Während dieser Zeit sind Korrekturen durch Lehrer oder Eltern bei den Hausaufgaben nicht erwünscht – man würde das Kind damit zutiefst verwirren, meinen die Anhänger der Lesen durch Schreiben-Methode.

Rechtschreibanarchie – Verfall der Orthographie

Jedes Kind schreibt, wie es möchte, keiner korrigiert. Orthographisches Chaos ist die Folge. Wir befinden uns in einer Rechtschreibanarchie. Für Kritiker dieser Lernmethode wie Renate Valtin, eine der renommiertesten Grundschulforscherinnen Deutschlands, gehört Lesen durch Schreiben verboten. Die falsche Strategie verfestige sich über Jahre und müsse bei den Schülern dann mühsam zu einer korrekten Rechtschreibung umgelernt werden. Dies führe zu einem erschreckenden Verfall der Orthographie, warnen Linguisten, Hirnforscher und Pädagogen. Studien belegen, dass heute nur noch jeder fünfte Neuntklässler die deutsche Rechtschreibung einigermaßen beherrscht.

Eine weitere Gefahr der Lesen durch Schreiben-Methode ist, dass Legastheniker im Chaos der Rechtschreibanarchie untergehen und eine entsprechende spezielle Förderung ausbleibt. Diese Kinder werden später vermutlich niemals richtig lesen und schreiben können. Ein schwerwiegendes Defizit, das sich im Erwachsenenalter kaum noch ausgleichen lässt und viele Wege verbaut – denn welche Firma stellt jemanden ein, der schon in der Bewerbung nach einer „Leerstelle“ sucht?

Dilettantismus in der Lehrerausbildung

Günther Thomé, Sprachwissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität, findet den Begriff Rechtschreibkatastrophe für die aktuelle Situation treffend. Er sieht das Grundproblem des Rechtschreibunterrichts darin, dass weder die Autoren von Lehrbüchern noch die Lehrer wüssten, wie die deutsche Orthographie eigentlich funktioniere. Die Schriftsprachendidaktik werde an den Hochschulen vernachlässigt und es herrsche Dilettantismus in der Lehrerausbildung.

Wer also soll dann unseren Kindern die Rechtschreibung vernünftig beibringen? Und, sind die Lektoren im Team von Wort für Wort etwa eine vom Aussterben bedrohte Spezies?! Oder können wir uns, wenn diese Kinder später im Berufsleben stehen, vor Aufträgen nicht retten? Unsere Lektoren stellen jedenfalls fest, dass sich die Unsicherheiten in der Rechtschreibung in den letzten Jahren deutlich verstärkt haben. In den Texten, die wir tagtäglich auf den Schreibtisch bekommen, finden sich heute wesentlich mehr grundlegende Fehler und auffällige Schwächen in der Kommasetzung als noch vor 20 Jahren.

Um dem entgegenzuwirken, bietet Wort für Wort praxisorientierte Rechtscheibschulungen an. In diesen Workshops werden Unternehmen in der deutschen Rechtschreibung fitgemacht und enden so nicht in der Rechtschreibkatastrophe.

Die Auflösung des Eingangssatzes sowie den SPIEGEL-Artikel zu diesem Thema finden Sie hier.

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