Dialekte und Karneval

Fasching, Karneval, Fasnacht, Fasnet, Fasteloovend, Fasteleer – Dialekte sind auch heute noch lebendig, nicht nur in der fünften Jahreszeit

Gerade zu Karneval fallen unterschiedliche Mundarten – einmal abgesehen vom sehr verschiedenartig ausgeformten Humor in den einzelnen Regionen – besonders auf. Zappt man durch die öffentlich-rechtlichen Regionalsender, so ist fast auf jedem Kanal eine andere Sprachfärbung der Büttenredner in den dort ausgestrahlten Karnevalssitzungen zu vernehmen. Wobei man im Fernsehen jedoch nur die weichgespülten, allseits gut verständlichen Dialektformen aufgetischt bekommt, oder wie man in Köln sagt „Kölsch met Knubbele“.

Gerade in der globalisierten Welt von heute bieten Dialekte eine Art Heimatgefühl

de Zoch kütt am 11.2.2013

© debert - Fotolia.com

In Zeiten der Globalisierung, in denen man mit Englisch mühelos und dialektfrei weltweit kommunizieren kann, ist es dennoch nicht verwunderlich, dass sich Dialekte halten. Sie sind nicht etwa vom Aussterben bedroht, sondern bieten angesichts der Dominanz des Englischen ein Stück Heimat, sie sind sozusagen der „Tante-Emma-Laden der Sprache“, so Hellmuth Karasek. Eine ähnliche Beobachtung macht der Sprachwissenschaftler Karl-Heinz Göttert in seinem Buch über Dialekte, Wir können alles. Außer Hochdeutsch: „Der Tod der Dialekte wird seit hundert Jahren immer wieder für das jeweils nächste Jahrzehnt vorausgesagt. Doch dieser Zustand ist niemals eingetreten.“ Auch wenn man nun den Eindruck gewinnen könne, Dialekte seien unverwüstlich, so ist doch ein Rückgang zu beobachten. Tröstlich vielleicht: „82 Millionen Sprecher in Deutschland [werden sich] nie gleich anhören, ihre Färbungen wird die deutsche Sprache stets behalten“, sagt der Sprachwissenschaftler.

Der kölsche Dialekt – ehemals verpönt, heute salonfähig

Insbesondere der kölsche Dialekt hat eine erstaunliche Entwicklung genommen. Kölsch (nicht das Getränk!) war bis in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts als Unterschichtensprache verpönt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass es in den 70er-Jahren nur einen einzigen Mitschüler in meiner Klasse in einer Schule im Kölner Umland gab, der Kölsch sprach – und dazu stand! Er war insofern für uns alle so etwas wie ein Exot. Dann aber erfuhr die Mundart mit Bands wie den Bläck Fööss und BAP eine Renaissance, die bis heute anhält.

Warum das Kölsche salonfähig wurde, gerade unter Intellektuellen, und das mitnichten nur im Karneval, hat vielfältige Gründe, die genauer zu erforschen sicherlich spannend wäre. Ob es der unmittelbare Ausdruck von Gefühl und Humor war, der sich über das Kölsche so wunderbar und viel besser transportieren lässt als in der sogenannten Hochsprache, ob die Studentenbewegung ihren Teil dazu beigetragen hat oder eine Art Solidarität mit den „kleinen Leuten … wer weiß. Fest steht aber: Dialekt zu sprechen macht nicht nur Spaß, der Dialekt ist „als Abgrenzungs- und Identifizierungsmerkmal reizvoll“ (Göttert) und untrennbar verbunden mit dem regionalen Humor – nicht nur zu Karneval.

 

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