Februar 2012

Tibet hinter dem SpiegelTibet hinter dem Spiegel

Autor:            Ulli Olvedi

Verlag:           Fischer 2008

Genre:           Roman

 
Kurzinhalt:

Ein altes, wertvolles Rollbild verschwindet aus einem Kloster in Tibet. Ein tibetischer Maler sakraler Bilder, der in Nepal für die Kunstmafia arbeitet, wird ermordet. Ein Freund des Malers, Tashi, wird verfolgt und findet schließlich Unterschlupf in einem Nonnenkloster. Diese Ereignisse führen dazu, dass drei sehr unterschiedliche Personen in Kathmandu zusammentreffen: der Tibeter Tashi, der lange im Westen gelebt hat, die deutsche Buddhistin Teresa, die seit vielen Jahren im Osten lebt, und Teresas Enkelin Joe, eine Punk-Göre auf Ferienbesuch.
Die Verbindung mit dem verschwundenen Bild zwingt alle drei, in die Berge zu fliehen, an die Grenze zu Tibet – aber auch in die Grenzbereiche ihrer Seelenlandschaften.

Warum mich das Buch so fasziniert:

Diese Mischung aus Krimi und spirituellem Roman ist ein kleines, feines Buch. Es ist nicht nur spannend zu lesen, sondern lässt in seinem ruhigen Erzähltempo auch wie nebenbei die Hauptzüge buddhistischer Lebensauffassung miteinfließen und bringt sie so dem Leser nahe, ohne dogmatisch zu wirken. Gerade das ständige Ringen der Protagonistin Teresa, einer Deutschen, die sich nach Nepal zurückgezogen hat, mit den Werten des Buddhismus in Zeiten des emotionalen Aufruhrs und drohender Gefahr sowie ihr Bedürfnis, den Ansprüchen buddhistischer Lebensführung im Alltag gerecht zu werden, ist nicht nur sehr interessant zu lesen, sondern macht das Land Tibet selbst sowie das Leben und die Traditionen dort erstaunlich greifbar.

Januar 2012

Anständig essen, Karen DuveAnständig essen. Ein Selbstversuch

Autor:     Karen Duve

Verlag:    Galiani, 2011

Genre:    Sachbuch

Kurzinhalt:

Kann man sich so ernähren, dass andere Lebewesen auf der Welt davon den kleinstmöglichen Nachteil haben? Karen Duve hat es in einem Selbstversuch ausprobiert: jeweils zwei Monate Bioladen-Kost, vegetarisch, vegan und frutarisch (das, was die Pflanzen freiwillig geben, ohne dass sie dabei zerstört werden). Parallel zu ihrem Experiment setzt sie sich mit grundsätzlichen Fragen rund um Ernährungs- und Lebensgewohnheiten in den kurzweilig zu lesenden Exkursen auseinander. Darin beschäftigt sie sich z. B. mit dem Zusammenhang zwischen christlicher Religion und Massentierhaltung oder schildert die Befreiung von Hühnern aus einer Legebatterie. Am Ende ihres Versuchs zieht sie Resümee und wählt aus den ausprobierten Ernährungsweisen die für sie stimmigste aus.

Warum mich das Buch so fasziniert:

Karen Duve gelingt das schriftstellerische Kunststück, unangenehme Wahrheiten über die Verdrängung dessen, was tagtäglich unseren Mitgeschöpfen in zu engen Käfigen, mit Hormonen vollgestopft und ohne Auslauf angetan wird, gut recherchiert und mit Humor zu verpacken. Sonst wäre die Lektüre, die nichts für schwache Nerven ist, da sie auch die Lebensbedingungen von Kühen und Schweinen in Deutschland unter die Lupe nimmt, nicht zu ertragen. Lässt man sich auf Duves Argumentation ein, hat die Lektüre dieses Buches gravierende Folgen für den eigenen Ernährungsplan. Also: Vorsicht!

Dezember 2011

Atemschaukel - Herta MüllerSara

Autor: Stephen King

Verlag: Heyne

Genre: Roman

Eigentlich bin ich keine Freundin von dicken Büchern, meist verlässt mich schon nach 300 Seiten die Leselust. Bei Stephen Kings „Sara“ war es anders und darum habe ich das Buch ausgewählt.

Kurzinhalt:

Nach dem Tod seiner Frau zieht sich der Bestsellerautor Michael Noonan in sein Landhaus „Sara“ in Maine zurück. Er will dort seine Schreibblockade überwinden. Stattdessen gerät er immer tiefer in die Wirren der dunklen Geschichte des kleinen Orts hinein. Er kommt einer Verschwörung auf die Spur, die ihren Anfang schon vor langer Zeit nahm. War seine Frau darin verwickelt, starb sie eines natürlichen Todes oder wurde sie das Opfer einer Intrige, der sie auf der Spur war?

Warum mich das Buch so fasziniert:

„Sara“ ist für die, welche die Romane des Vielschreibers King kennen, inhaltlich natürlich nichts Neues. Da gibt es einen Schriftsteller mit Schreibblockade, da gibt es Anleihen an Horror und Fantasy, verschiedene Realitäts- und Zeitebenen, eine zarte Liebesgeschichte und eine gehörige Prise King´scher Sozial- und Gesellschaftskritik, die sich in diesem Roman auf die Rassenproblematik bezieht. Man verfolgt die mysteriöse Story um den Autoren im Pech mit großer Empathie. Das Buch bietet Spannung, die über 600 Seiten mühelos gehalten wird.
Ein Buch für lange Winterabende auf der Couch oder am Kamin …

November 2011

Atemschaukel - Herta MüllerAtemschaukel

Autor: Herta Müller

Verlag: Carl Hanser Verlag

Genre: Roman

Ein Buch für Leser, die sich nicht scheuen, Schrecken und Leid des Erzählers an sich heranzulassen. Es ist definitiv kein Gute-Laune-Buch, vielmehr eine tiefgehende und auf wahren Begebenheiten basierende Erzählung über das Leben im sowjetischen Arbeitslager, die berührt und lange nachwirkt.

Kurzinhalt:

Rumänien im Jahr 1945: Der Zweite Weltkrieg ist gerade zu Ende und alle 17- bis 45-jährigen Rumäniendeutschen werden zum Zwecke der „Wiedergutmachung“ und des „Wiederaufbaus“ der im Krieg zerstörten Sowjetunion in Arbeitslager deportiert. So auch der 17-jährige Siebenbürgener Leo, den Herta Müller in einem Erzählzeitraum von fünf Jahren über seine Erlebnisse und den menschenunwürdigen Alltag in einem Arbeitslager in Sibirien berichten lässt.

Warum mich das Buch so fasziniert:

In ihrem sprachlich beeindruckenden Stil erschafft die Schriftstellerin eine Chronik des ewigen Hungers und der Qualen der Deportierten, die unter die Haut geht. Dies veranschaulicht sie eindringlich mit Begriffen, die bezeichnen, wofür es keine Worte gibt (z. B. Hungerengel, Mundglück, Hautundknochenzeit). Trotz aller Metaphern bleibt die Sprache dabei klar und prägnant. Ein berührendes und erschütterndes Leseerlebnis!